Vom Wandern und Wundern – (K)eine Rezension

Seit Längerem schon lese ich (Alex) das Buch „Vom Wandern und Wundern – Fremdsein und prophetische Ungeduld in der Kirche“. Ein spannender Titel, der meine Erwartungen in die Höhe schnellen ließ. Nicht jeder Beitrag konnte diesen (vielleicht zu hohen?) Erwartungen genügen und doch liegen in diesem Buch einige Schätze verborgen, die es zu entdecken und zu heben gilt. So will ich im Folgenden auch nicht das Buch besprechen – zwei ausführliche Rezensionen finden sich bei Tobias Faix und Christian Hennecken – sondern einen der Schätze vorstellen, den ich für mich in diesem Buch gefunden habe.

Den Worten eine Sprache geben
Kennst du das? Da spricht jemand aus, was du schon lange gedacht und gefühlt hast. Formt Worte für etwas, was in dir rumorte, ächzte, aber sich nie so klar formulieren konnte. So erging es mir beim Lesen des Kapitels „Eine steile These“.
Juliane Gayk und Rebecca John Klug vom „Raumschiff Ruhr“ beginnen ihren Beitrag, indem sie ihre eigenen Glaubensbiographien skizzieren. Diese Skizzen bewegen sich zwischen dem Bedürfnis zur (evangelischen) Kirche dazugehören zu wollen und dem Feststellen, dass dies immer nur im Modus des Fremdseins gelingen wird. Beide finden für diesen Prozess Worte und Sätze, die mich angesprochen haben. Zum Beispiel diese:

„Nach dem zweiten theologischen Examen am Ende eines langen Studiums und einer zweieinhalbjährigen Ausbildung zur Pfarrerin fragte man mich im Bewerbungsgespräch, ob ich wirklich Teil dieser Kirche sei. (…) Wohin bzw. wozu gehöre ich eigentlich?“

„Je mehr ich von Kirche verstand, umso weniger konnte ich Kirche verstehen.“

„Der Gottesdienst, der von mir als Liturgin liebevoll gestaltet war, erreichte mich selbst nicht.“

„Ich will dazugehören. Und zwar so, wie ich bin. (…) Diesmal mit der Entscheidung, als Fremde dazuzugehören.“

Gedanken werden hier zu Worten. Gedanken die mich, die uns, schon länger beschäftigen. Passen wir in diese Kirche? Passt diese Kirche zu uns? Kann man Teil davon sein, auch wenn man nicht hineinpasst? Gibt es Raum für Menschen die sich nicht mit dem Ist-Zustand wohlfühlen? Kann es sogar eine Bereicherung sein? Bereicherung für beide Seiten? Oder führt es zu einem jahrelangen Leiden aneinander?

Die Mitherausgeberin Maria Herrmann spricht im Vorwort vom „Gift of not fitting in“ – „von der Gabe, nicht hineinzupassen“. Diese aus der englischen Fresh Expressions of Church Bewegung entlehnte Sichtweise hilft das eigene Fremdheitsgefühl nicht als Mangel zu verstehen, sondern als produktives Geschenk, das helfen kann Kirche herauszufordern und zu verändern. Ein als Gabe verstandenes Fremdsein ruft die Kirche zurück zu dem was ihr als Auftrag vorgegeben ist: zu denen zu gehen, die nicht schon Teil davon sind. Sich von sich selbst zu befreien und sich zu denen aufzumachen, die eben nicht in das bestehende Schema hineinpassen. In diesem Sinne ist es eine prophetische Gabe. Was nicht heißt, dass es eine angenehme Gabe ist.

Mein Eindruck ist, dass es eine wachsende Anzahl (junger?) Menschen gibt, die an ihrer Kirche leiden und zugleich daran arbeiten, Kirche zu verändern. Fremdsein kann beides bewirken: Zurückgestoßen sein oder erst Recht dazuzugehören.

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